Kann es einen schöneren Anlass geben, über die Berliner Republik zu bloggen, als der ganze Skandal um unseren ehemaligen Verteidigungsminister? Freiherr von und zu Guttenberg ist weg vom Fenster – und das halbe Land heult. Deutschland, oh Deutschland – mit den Blendern bist Du einen geradezu faustischen Pakt eingegangen.
Denn mal ehrlich: Kundus-Affäre, Gorch-Fock-Affäre und bei Opel hat Gutti auch nicht wirklich die Welt gerissen. Der Mann ist eine einzige Mogelpackung, ein Aufschneider. Und alle finden es trotzdem prima, denn hey! Immerhin lächelt der Typ doch so nett und bringt Erfrischung in den antiquierten Polit-Stil. Ja, Kai Diekmann heult gar schon rum, dass der Sturz des Lügenbarons mal wieder ein Paradebeispiel für die Volksferne unserer Demokratie sei. Das ich nicht lache.
Lügenbaron Guttenberg
Im Ernst: Guttenberg ist ein Betrüger. Eine Doktorarbeit zu fälschen ist kein Kavaliersdelikt, das man so einfach weglächeln kann. Vielleicht hätte ich persönlich ihm noch verziehen, wenn er zumindest konsequent am ersten Tag die Verantwortung übernommen hätte. Was mich aber so wirklich ärgert, dass ist diese arrogante Salami-Taktik von unserem Goldjungen. Erst alles Abstreiten, dann ein klein Wenig zugeben, dann vorübergehend auf seinen Doktor-Titel verzichten und am Ende, wo das öffentliche Interesse und die Beweislage bereits vernichtend ist, tritt er ab. Das ist nicht ehrlich oder aufrichtig, dass ist der gleiche Mist, den alle Berufspolitiker verzapfen, wenn eine Krise droht.
Kein neuer Typus Politiker
Und deshalb irrt Kai Diekmann auch! Guttenberg ist kein neuer Typus Politiker. Eher ein ziemlich stinknormaler – nur mit dem gewissen Etwas, dass zuletzt Atze Adolf sein Eigen nannte: Charisma. Wenn denn heute auch tausende Menschen für ihn demonstrieren, sich “Wutbürger” auf Facebook solidarisieren und am Ende sogar Eva Hermann mit Guttenberg einen Ritt über die Autobahnen dieser Republik unternehmen möchte – er ist und bleibt, was er nunmal ist: Ein Hochstapler. Abtreten!